Die Rainbacher Evangelienspiele

Der weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Innviertler Dichter Friedrich Ch. Zauner begibt sich in seinen Evangelienspielen auf die Suche nach den Wurzeln unserer abendländischen Kultur. Den Besuchern bietet sich ein musik-dramatisches Schauspiel, bei dem das biblische Thema in neuer, überraschender Form dargeboten wird.

Aufführungsdaten: 11. - 12. - 13. - 17. - 18. - 19. - 20. - 24. - 25. - 26. und 27. Juni 2004

Samstag, 12. Juni und Samstag, 19. Juni 2004 um 16.00 Uhr findet eine Lesung mit Friedrich Ch. Zauner im gotischen Pfaffinger Kircherl statt

Die Ziele

Die Welt vor zweitausend Jahren hatte in vieler Hinsicht erstaunliche Ähnlichkeit mit unserer Gegenwart. Es herrschte große politische und religiöse Unsicherheit, eine allgegenwärtige Weltmacht, damals Rom, drohte alles und jedes in seinen Einflussbereich zu ziehen, die Moralbegriffe verschwammen, das soziale Gefüge zerfiel, die altüberlieferten Werte wurden außer Kraft gesetzt - ein idealer Nährboden für revolutionäre Gruppen, Sekten und Weltverbesserer, von denen Jesus nur einer unter vielen im damaligen Jerusalem war. Allerdings ein besonders charismatischer, dessen Bild und dessen Ideen lebendig bis zum heutigen Tag geblieben sind.

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Die üblichen Passionen sind als Dank für die Befreiung von Seuchen und für die Beendigung von Kriegen entstanden. Bei Zauners Stücken handelt es sich um eine Darstellung der historischen Ereignisse in heutiger Sprache für heutige Menschen. Die Bibel wird beim Wort genommen, aber - ohne modernistisch sein zu wollen - in Form eines theatralisch-musikalischen Gesamtkunstwerkes neu interpretiert.

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Mit Zauners Evangelienspielen wird ein Blick aus heutiger Sicht auf historische Ereignisse geworfen, die wie keine anderen die nachfolgenden zweitausend Jahr in Politik, Gesellschaft und Kultur im Guten wie im Bösen maßgeblich geprägt haben. Aber nicht nur vom Inhaltlichen her ist der Unterschied zu ähnlichen Aufführungen zu sehen, Die Rainbacher Evangelienspiele unterscheiden sich auch von der Form her: Sie verstehen sich als ein Gesamtkunstwerk, bei dem sich der Text, die Musik und die Darstellung für das Publikum zu einer untrennbaren Einheit verbinden und das alles ist eingebettet in eine unverwechselbare ländliche Umgebung, die mit einen Anreiz bilden soll, einen Ausflug in den Ort am Fuße des Sauwaldes zu machen.

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Dass die Evangelienspiele in Rainbach, in Zauners Geburtsort, stattfinden können, ist ein besonderer Glücksfall, der auf eine Initiative von Bürgermeister Gimplinger zurückgeht. Mit dem neuen Ortszentrum entsteht ein Umfeld, das sich vorzüglich für eine solche Aufführung eignet. Zudem kann die Initiative als Musterbeispiel von konstruktiver Dorferneuerung gelten, denn neben der baulichen Ausgestaltung ergibt sich gleichzeitig auch eine Perspektive für die Zukunft, zur Lebensqualität wächst dem Ort eine kulturelle und geistige Identität zu.

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,,Passion"

Wie in den meisten Werken befasst sich Zauner auch in seiner ",Passion", dem ersten Werk im Zyklus der Evangelienspielen mit Zeitgeschichte. Er stellt das Schicksal einfacher Menschen in den Mittelpunkt, die in den Strudel der Ereignisse geraten. Zentrale Figuren sind Fischer, Bauern, Zöllner - und der Sohn eines Zimmermanns aus Nazareth. Aber so unbedeutend sie e damals erschienen, sie bewirkten, dass die Weltherrschaft der Römer gebrochen, eine neue Epoche eingeleitet wurde und sie hinterlassen ihre Spuren bis tief in unsere Gegenwart: hinein. Zauner zeichnet ein umfassendes Bild jener großen Zeitenwende, indem er die Bibel beim Wort nimmt, sie aber in einer heutigen dichterischen Sprache umsetzt aus dem Blickwinkel eines Autors, dem es an kritischer Distanz nicht fehlt.

"Der Autor nähert sich behutsam dem Leidensweg Christi, indem er sich bei seinem Vorhaben scheinbar für die via negativa entscheidet. In dieser Form offenbart sich uns die Hauptperson durch ihre Abwesenheit und ihr Schweigen. Der Messias ist immer ein Stück entfernt und er wendet sich nie direkt an einen anderen Akteur, er lässt alles über sich ergehen, er wird übel zugerichtet, er wird verurteilt, er wird gekreuzigt. Gerade durch diese geschickt gewählte Form der Darstellung fühlen wir uns jener Person so nahe. In einer Zeit der vordergründigen und geistlosen Heilsbotschaften ist der Leser bzw. das Publikum durch diese Passion endlich wieder aufgerufen, nach dem zu suchen, was sich eher kontemplativ, beschaulich erschließen lässt." Dr. Thomas Duschlbauer, Linz

"Im Unterschied zu den barocken Passionsoratorien ist der Text Zauners wohl evangeliengerecht, doch entrollt er ein so farbiges und plastisch eindringliches Bild des zeitgeschichtlichen Umfelds, dass sich dem Mysteriendrama der Passion eine historische Tragödie einfügt. Deren tragende Gestalten sind Pilatus, seine Frau, der Apostel Petrus und ein der biblischen Überlieferung hinzugefügtes Paar aus dem Volk Es gehört zu den Besonderheiten dieses Stückes, dass sich in ihm 3 Stilbereiche durchdringen: Sprechtheater, Tanztheater und Oper." Prof. Dr. Franz Richter, Wien

Friedrich Ch. Zauner

geboren in Rainbach im Innkreis gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Autoren der Gegenwart. Für die Kulturzeitschrift DIE ZEIT gilt Zauners Romantetralogie "Das Ende der Ewigkeit" als ein Werk, welches nicht nur in der österreichischen Gegenwartsliteratur kaum einen Vergleich findet. Prof Alexander Giese urteilt darüber: Was Zauner schreibt, ist Wirklichkeit. Er schreibt nicht ‚über' das Innviertel, er schreibt ‚das' Innviertel.

Daneben ist Zauner aber auch erfolgreich als Dramatiker tätig, seine Stücke wurden am Landestheater Linz, am Schauspielhaus Graz, am Landestheater Salzburg, am Volkstheater Wien, sowie an verschiedenen deutschen und Schweizer Bühnen uraufgeführt. Sie werden nachgespielt und in Übersetzungen an zahlreichen fremdsprachigen Theatern mit erstaunlichem Erfolg aufgeführt. So etwa wurde "Spuk", erstmals am Landestheater Linz, in der spanischen Übersetzung vom Teatro Granero in Mexico City über zwei Jahre lang en suite gespielt.

Auch für Film und Fernsehen arbeitet Zauner. Die Verfilmung seines Romans ,,Dort oben im Wald bei diesen Leuten" etwa durch das Erste Deutsche Fernsehen Berlin mit Günter Lamprecht und Franz Buchrieser in den Hauptrollen fand höchste Beachtung in den deutschen Medien. Friedrich Ch. Zauner ist Präsident des OÖ. P.E.N.-Clubs, Träger des Landeskulturpreises für Literatur und Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Rainbach